Böge Schimmelambulanz

Information Nr. 4: Wann wächst der Schimmel?

Schimmel-Ambulanz

Pilze und Bakterien brauchen erhöhte Feuchte und Nährstoffe

 

Pilze und Bakterien gibt es überall, zum Wachstum benötigen sie Nährstoffe und Feuchtigkeit. Die Temperatur und der pH-Wert spielen eine untergeordnete Rolle. Da Nährstoffe in Gebäuden immer vorhanden sind, kommt der Feuchtigkeit besondere Bedeutung zu.

 

Frage: Welche Nährstoffe brauchen Pilze und Bakterien für das Wachstum?

Böge: Schimmelpilze und Bakterien gehören zu uns und unserer Umwelt, ohne sie könnten wir gar nicht leben! Bedrohlich für unsere Gesundheit wird es erst dann, wenn bestimmte Spezies in oder auf uns umgebenden Baumaterialien oder Einrichtungsgegenständen wachsen und sich um das tausendfache bis zum milliardenfachen vermehren.

Dafür brauchen die Mikroorganismen organische Nährstoffe, wie zum Beispiel Zellulose in Tapeten, Holzplatten, Kleister, Kleber und auch Farben. Auch Kunststoffe (z.B. PVC, Styropor) sind gute Nährstoffe, denn einige  Mikroorganismen zersetzen gerne Weichmacher und die Kohlenwasserstoffe in Kunststoffen. Mineralische Stoffe sind natürlich kein Nährstoffe, aber viele Baumaterialien sind mit organischen Zusatzstoffen versetzt, wie z.B. Mineralwolle mit Bindemitteln oder Wandputz mit Zellulose und Kunstharzen. Ein guter Nährboden kann auch der Gipsputz auf feuchten Wänden sein.


Frage: Ab welcher Luftfeuchte bzw. Materialfeuchte wachsen Pilze und Bakterien?

Böge: Das entscheidende Kriterium für die Keimung und das Wachstum von Mikroorganismen ist das zur Verfügung stehende Wasser. Schimmelpilze nehmen sowohl aus dem Substrat als auch aus der Luft Wasser oder Wasserdampf auf. Feuchtigkeit lässt sich nicht „fühlen“ sondern nur mit einer für das jeweilige Problem geeigneten Methode messen.

Zur Luftfeuchte: Üblicherweise spricht man von der „relativen Luftfeuchte“, aber Mikrobiologen benutzen dafür den Begriff der Wasseraktivität, den aw- Wert. Dieser Wert ist ein Maß für das frei verfügbare Wasser in der Umgebungsluft eines Materials. Dieser Wert ist vergleichbar mit der relativen Feuchte (rF = Ausgleichsfeuchte), wird aber auf den Wert 1 als Sättigungswert bezogen. Er ist einfach umzurechnen vom Wert der relativen Luftfeuchte dividiert durch 100.

Als Beispiel: Bei 75% relativer Luftfeuchte (nicht der Materialfeuchte) beträgt der aw- Wert = 0,75.

Unterhalb eines aw-Wert von ca. 0,7 findet kein Wachstum von Schimmelpilzen auf Materialien statt. Mit zunehmenden Feuchtegehalt steigt die Wahrscheinlichkeit, dass Schimmelpilzwachstum auftritt. Beim aw-Wert= 0,8 wachsen fast alle innenraumrelevanten Schimmelpilze.

Zur Materialfeuchte: Die Materialfeuchte gibt die Menge des in einem Feststoff enthaltenen freien Wassers an. Das Schimmelwachstum hängt von der Materialfeuchte ab und kann mit den verschiedensten Methoden kontrolliert werden. Folgende Messverfahren gibt es z.B. für die Praxis:

1. Darr-Me­tho­de (direktes Verfahren): Eine Materialpro­be wird für den Trans­port ins La­bor luft­dicht ver­packt und dort nach prä­zi­sem Wie­gen in ei­nem Trocken­schrank (meist bei 105°C) bis zur Ge­wichts­kons­tanz (bis ca. 24 Std.) ge­trock­net und dann er­neut ge­wo­gen:

Mas­se­be­zo­ge­ner Feuch­te­ge­halt = (Feucht­ge­wicht - Trocken­ge­wicht) / Trocken­ge­wicht x 100

2. Wi­der­stands­messungen (indirekte Verfahren) nutzen die elek­tri­sche Leit­fä­hig­keit. Mit stei­gen­der Was­ser­men­ge sinkt der Wi­der­stand bzw. der Leit­wert steigt an. Durch elek­trisch lei­ten­de Stof­fe und Sal­ze in Bau­e­le­men­ten  kön­nen Mess­feh­ler ent­ste­hen. Der ge­mes­se­ne Wi­der­stand ist um­ge­kehrt pro­por­tio­nal zur auf­ge­nom­me­nen Was­ser­men­ge. Die Meß­wert­an­zei­ge (ana­log, di­gi­tal oder Leucht­dio­de) gibt meist nicht den Feuch­te­ge­halt des Baustof­fes an, son­dern nur "Ska­len­tei­le" oder “Digits”.

2a) bei Ein­satz des "Pro­ti­me­ter" wer­den die "Holz­feuch­te­ä­qui­va­len­te" mit Leucht­dio­den an­ge­ge­ben, um an­zu­zei­gen, ob in dem ge­mes­se­nen Bau­teil Schim­mel ent­ste­hen kann. Schim­mel­be­fall ist bei Holz gem. DIN 68800, Holz­schutz im Hoch­bau, ab ei­nem mas­se­be­zo­ge­nen Feuch­te­ge­halt von 20 Pro­zent (Holz­feuch­te­ä­qui­va­lent = 20) mög­lich. Die­se An­wen­dung ist meist auch bei mi­ne­ra­li­schen Bau­stof­fen sinnvoll, wenn die­se durch die che­mi­sche Be­schaf­fen­heit zwar gar nicht oder nur bei sehr ho­her

Feuch­tig­keit schim­meln, aber gleich­zei­tig ih­re Feuch­tig­keit mit Bo­den­be­lä­gen, Rand­lei­sten, Ta­pe­ten oder Mö­beln aus­glei­chen, für die bei ei­nem Holz­feuch­te­ä­qui­va­lent von 20 Schim­mel­ge­fahr be­steht.

2a. Mess­ge­rä­te nach dem kapazitiven Verfahren (Die­lek­tri­zi­täts­konstante): Da sich mit er­höh­ter Feuch­tig­keit in Bau­stof­fen nicht nur der elek­tri­sche Leit­wert er­höht, son­dern auch die Die­lek­tri­zi­täts­kon­stan­te, braucht mit Hil­fe des Kon­den­sa­tor­prin­zips das Ge­rät nur (zer­stö­rungsfrei) über den zu mes­sen­den Bau­stoff ge­hal­ten wer­den.

3. Die Car­bid Me­tho­de (CM) wird vorzugsweise für die Kontrolle der “Belegreife” von Estrichen eingesetzt. Bei ei­ner "vor Ort - Prü­fung" wird ei­ne ab­ge­wo­ge­ne Pro­be des zu mes­sen­den Bau­stof­fes zer­klei­nert und in ei­nem Druck­be­häl­ter in Kon­takt mit Cal­zi­um­car­bid ge­bracht. Durch ei­ne che­mi­sche Re­ak­tion ent­steht durch Ace­thy­len­gas ein Über­druck, der mit Hil­fe ei­nes Ma­no­me­ters an­ge­zeigt wird. Für ver­schie­de­ne Pro­be­men­gen kann meist der mas­se­be­zo­ge­ne Feuch­te­ge­halt di­rekt ab­ge­le­sen wer­den. Ein di­rek­ter Ver­gleich mit Wer­ten aus an­de­ren Meß­ver­fah­ren ist nicht mög­lich! Nach ein­schlä­gi­gen Re­geln soll der Höchst­feuch­te­ge­halt von unbeheiztem Zementestrich bei der Ver­le­gung von Bodenbelägen, Laminat, Parkett, usw.  un­ter 2.0 % lie­gen.

Bild 1: rel. Feuchte untere Da?mmung
72,3% rel. Feuchte = aw-Wert = 0,72
Bild 2: Druckanzeige CM-Feuchte
CM-Feuchte 2,4: = u?ber Belegreife
Bild 3: Feuchte im Estrichzement bis 4 cm
125 Digits = nass (lt. Hersteller)

Frage: Wann sind Pilze und Bakterien gefährlich?

Böge: Mikroorganismen wachsen wachsen zwar nur in feuchter Umgebung, aber auch trockene und abgestorbene Pilze und Bakterien können krank machen!

Schimmelpilze wachsen, (siehe oben) zwar nicht ohne erhöhte Feuchte, aber grundsätzlich muss mit einem oft von „Bauexperten“ vorgetragenen laienhaften und gleichzeitig fahrlässigen Fehlurteil aufgeräumt werden: keine Feuchte und nichts sichtbar: also keine Pilze und keine Gesundheitsgefahr

Grundsätzlich sind gesundheitsschädigende Pilze selbst auf Oberflächen häufig nicht mit dem Auge erkennbar. Pilzhyphen haben einen Durchmesser von 4 bis 19 µm (Mikrometer) und bestimmte Bakterien (Actinomyceten) nur von ca. 1µm. Erst wenn durch die vieltausendfache Vermehrung Strukturen entstehen, werden die Mikroorganismen sichtbar.

Etwa 80% aller mikrobiologischen Belastungen sind in Fußböden, Wänden oder Decken unsichtbar versteckt und werden so meist leichtfertig übersehen. Außerdem ist bei der Schimmelsuche und der gesundheitlichen Bwertung zwingend zu beachten, dass auch abgestorbene Pilze und Bakterien, Mycelstücke oder auch nur Fragmente davon als „chemische“ Substanzen krankmachen können. Zudem können unzählige Schadstoffe (Mycotoxine und MVOC = von Mikroorganismen produzierte flüchtige organische Substanzen) auch noch Jahrhunderte an die Raumluft abgegeben werden.

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